Mitarbeiterführung nach Corona

Die Corona-Lektion im Personalbereich

Viele selbsternannte Hellseher erzählen uns bereits, wie sich unser Leben nach der Krise verändert und dass die Welt nie wieder dieselbe sein wird. Diese Voraussagen sind in etwa so treffsicher wie die laufenden Kundmachungen der Wirtschaftsforscher zum künftigen Wachstum einer Volkswirtschaft. Auch hier wird die wahre Entwicklung ganz anders aussehen. Dennoch können wir bereits heute einige wichtige Lektionen für uns mitnehmen.

1. Schicken Sie kranke Mitarbeiter nach Hause

Leider sehen es viele Vorgesetzte gerne, wenn sich kränkelnde Mitarbeiter weiterhin in die Arbeit schleppen. Das war schon früher eine falsche Sichtweise, denn:

  • diese Mitarbeiter können ohnehin nicht die volle Leistung erbringen
  • stecken diese Mitarbeiter eventuell auch noch die restliche Belegschaft an

Spätestens seit Corona sollten alle realisiert haben, dass kranke Menschen zu Hause bleiben sollen.

2. Home-Office!

Home-Office wird nicht der erfolgversprechende Trend werden, als der es gerade dargestellt wird. Nicht umsonst hat einer der Vorreiter des Home-Office (IBM) die Nutzung desselben nach Jahren des Versuchs wieder massiv eingeschränkt. Die Hintergründe sind leicht erklärt:

  • Wir Menschen brauchen alle den direkten sozialen Kontakt. Zu viel Home-Office schafft Einsamkeit. Mit dieser Vereinsamung geht ein Verlust an Kreativität und Leistung einher, den sich Firmen und die Gesellschaft nicht leisten können.
  • Wer seine Kollegen und seine Firma nur noch aus der Ferne sieht, verliert Schritt für Schritt die persönliche Bindung und Identifikation mit der Firma.
  • Der oft gescholtene Kaffeetratsch findet nicht mehr statt. Auf den ersten Blick mag das verlockend klingen. Jedoch werden gerade in dieser Zeit oft die besten Ideen geboren und Probleme gelöst (oder zumindest aufs Tapet gebracht), die sonst vor sich hin gären würden.
  • Der Wissenstransfer ist auf reguläre Kanäle eingeschränkt. Formlos kurzfristig den Kollegen um Rat oder um seine Sichtweise zu fragen, wird enorm erschwert. Dadurch brauchen Lösungen oft deutlich länger

3. Wissensmanagement ist überlebenswichtig

Ja, man kann sich über schwierige Situationen fast immer irgendwie „drüber retten“. Die aktuelle Situation zeigt bereits nach Woche 1 ganz deutlich, welchen Vorteil Firmen mit einem klar strukturierten Wissensmanagement haben. Sollten Sie noch keines haben, legen Sie JETZT den Grundstein dazu.

  • Erstellen Sie zu jedem Mitarbeiter ein Tätigkeitsprofil und vergessen Sie nichts. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter auch, was sie sonst noch machen (vom Blumengießen bis hin zum Kühlschrank einräumen). Auch diese Tätigkeiten, die nichts mit der eigentlichen Aufgabe des Mitarbeiters zu tun haben, sind wichtig.
  • Erstellen Sie für jede Tätigkeit eine klare Vertretungsregelung. Wer übernimmt welche Tätigkeit von wem.
  • Erstellen Sie klare Übergabeprotokolle und Prozesse. Wenn ein Mitarbeiter auf Urlaub geht, braucht er eine Checkliste, um wirklich jedes Detail an seinen Vertreter weitergeben zu können. Das meiste Wissen Ihrer Mitarbeiter ist nicht niedergeschrieben, sondern in deren Köpfen.
  • Erstellen Sie eine Wissensplattform, auf die alle Zugriff haben und ein implementiertes Ideenbrett.

4. Übergeben Sie in guten Zeiten Verantwortung

Übergeben Sie so viel Verantwortung wie nur irgendwie möglich an Ihre Mitarbeiter. Am besten bereits in guten Zeiten. Überlegen Sie, was Sie WIRKLICH selber machen müssen. Denken Sie immer an diesen Satz: Die beste Führungskraft ist die, bei der es nicht auffällt, wenn sie länger nicht anwesend ist. Das bedeutet, dass diese Führungskraft die Mitarbeiter so ausgewählt und entwickelt hat, dass das Unternehmen oder die Abteilung IMMER wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Ihre Mitarbeiter das nicht können, müssen Sie dringend Ihre Personalauswahlkriterien hinterfragen. Und auch überlegen, weshalb diese Kriterien eigentlich so sind, wie sie sind.